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Formentera,
la isla secreta de Baleares El País, 24.8.02 - José Luis de Juan Übersetzung : Manfred Zierden, Sitges ( Spanien ) Formentera, die stille Insel der Balearen Eine mediterrane Welt in reinem Zustand, eine halbe Stunde von Ibiza entfernt. Seine Strände bildeten Wenn es irgendein interessantes Ziel gibt, an die Hintergrund für den dem man mehr oder weniger eine komplexe Welt Film “Lucia und der Sex³. vorfindet, Formentera würde den 1. Platz ver- Ihre ursprüngliche Land- dient haben. Die Insel, etwa 82 qkm groß, schaft hieß schon Bob scheint sich nie zu verändern. Diejenigen, die Dylan willkommen und zum erstenmal vor 30 Jahren in Sa Savina begründete die Hippie- gelandet sind, als man noch wirkliche Hippies Bewegung mit. Heute erleben konnte, entdecken heute immer wieder bietet sie dem Massen- neue Facetten. Aber Formentera bietet, wie ein Tourismus die Stirn. abstraktes Gemälde, ganz unterschiedliche Eindrücke. Es zeigt flache Ebenen, wie mit mysteriösen Linien gezeichnet die sich im blauen Hintergrund verlieren. Dann wieder wilde Stellen, wie mit kräftigem Pinsel gemalt. die Insel entzieht sich jeder konventionellen Beschreibung. Sie ist klein und grenzenlos zugleich. Vom Schiff aus, das in Ibiza in See gestochen ist, liegt Formentera da wie eine schlafende Schlange, die Höhlen in den Steilufern von La Mola wirjen wie ihre Augen. Von Bord gehend in Sa Savina nimmt man etwas völlig fremdartiges wahr: Eine ganz spezielle Ruhe, nach all der Plackerei. Die Luft ist intensiv, das Licht ganz klar. Die Ruhe filtert die Geräusche des Hafens. Nah dabei, im Wellenschaum von Estany Pudent - der Lagune von der in früheren Zeiten die Pest ausging - beginnt der Reisende zu verstehen, was der ibizenkische Dichter Villangómez sagen wollte, als er Formentera diese zwei Worte widmete: “Bewohnte Einsamkeit³. Als er das schrieb war die Insel noch nicht das was sie heute ist. Es gab die gleichen Dinge. Die mythische Landschaft, wie Carlos Garrido sie in seiner anregenden Erzählung Formentera mágica schildert, hat sich nie verändert. Diese kleine, verschlafene Insel hat die radikalsten Erschütterungen aller Baleareninseln durchgemacht. Formentera ging in nur zwei Dekaden vom 18. ins 20. Jahrhundert. In dieser Zeit gab es Berberpiraten, Wikinger, die Fantasien eines Jules Verne, die Hippiezeit, Bob Dylan und eine chaotische Entwicklung, Wellen von Touristen, tausende von Jachten, Autos und Leih- motorräder, die Italiener und Filme wie Lucía y el sexo. Und Didi & Sandy. Aber all das hat nur die Oberfläche der Insel angekratzt. Wenn die hundertjährige Abgeschiedenheit und die Erosion der Elemente es nicht geschafft haben, dann wird es nichts und niemand schaffen. Formentera und seine Bewohner - “stark und karg³, nach Villangómez - bieten dem Massen-Tourismus die Stirn, in der skeptischen Art wie es ihrem Charaktern spricht. Die Eidechsen Viele Bewegungen zwischen den Sträucher und Steinen ziehen die Blicke der Besucher auf sich. Es sind die harmlosen Eidechsen mit ihrer grünen, smaragdenen Farbe. Sie sind überall. Vorsichtig, zerbrechlich, zauberhaft, die Eidechsen sind das Symbol Formenteras. Sie sind überall auf Insel, leben in den Dünen oder überqueren schnell die Straße die La Salvina mit El Pilar verbindet. Ihre Neugier ist unstillbar. Und das ist genau das was die Insel herüberbringt: schon wenige Stunden nach der Ankunft wächst das Interesse. Eine stille Bewunderung. Man darf keine Eile haben auf Formentera. Warum rennen, wenn als so nah beieinander liegt und die Zeit still zu stehen scheint. Leuchtendes Licht auf der Kleinsten der Balearenins Das Fahrrad ist das am meisten zu empfehlende Fahrzeug auf der Insel. Es rettet die Küste von La Mola, die besonders in den Monaten Juli und August einen riesigen Ansturm erleben. Und man kann alle Orte erreichen. Die Familien, für die Formentera wie geschaffen ist, und die einen Urlaub wie in alten Zeiten erleben, sind gut beraten, sich ein Auto zu mieten. Besonders wenn der Wind weht kann man damit die Strände im Süden und im Norden leichter erreichen. Alle Strände sind perfekt auf dieser Insel mit den zwei verschiedenen Strömungen, die die Meerenge zwischen Formentera und Espalmador teilen. Strände mit unvergleichlich klarem Wasser und feinem weißem Sand wie der des Mitjorn Strands im Süden, bis hin zu den Stränden von Illetes und Es Pujols im Norden oder die der Cala Saona, wo die rote Erde, die diese Enklave der westlichen Küste umgibt, ihre leuchtenden Töne zeigt. Zur Mittagszeit hat man einen tollen Blick auf das beeindruckende Cap Barbaria, von wo aus man an klaren Tagen Algerien sehen kann. Wenn jemand die grün glizernden Buchten bevorzugt, auch die findet man hier . Die Küstenstraße die von Es Carnatge nach Es Caló führt bietet eine viel- zahl natürlicher Sprungschanzen zum Tauchen und Erforschen alter Schiffwracks. Formentera war, bevor die beiden Leuchttürme an den Kaps errichtet wurden, eine Falle für viele Schiffe. Und in Zeiten des Hungers und der Entbehrungen waren sie oft die einzige Quelle um fürs Überleben der Bewohner zu sorgen. Formentera ruft eine ganz eigentümliche Stimmung hervor. Der Besucher fühlt sich, als ob er die Welt neu entdecken würde. Schon Piferrer und Quadrato fiel 1888 auf, “dass die Insel trotz ihrer langen Historie fast keine Spuren der Vergangenheit aufweist, als wäre sie gestern erst erschaffen worden³. Diese Eigenart hat sich bis heute erhalten. Die Hotels liegen verstreut in der Landschaft von Mitjorn und Cala Saona, und natür- lich gibt das touristische Treiben von Es Pujols, aber auch das kann den Charakter Formenteras nicht wirklich verändern. Vom Mirador von La Mola oder noch besser, von einer der Anhöhen aus, bei einem unvergesslichen Spaziergang durch El Camí de Sa Pujada, hat man einen Blick über die ganze Insel. Sie scheint die Form eines Hammerhais zu haben, der wie verankert an der Oberfläche des blauen Meeres ruht. Mit der Bewaldung der Hügel scheint er seinen Rücken schützen zu wollen. So erschließt sich Formentera dem Betrachter in seiner Gesamtheit. In der Ferne sieht man Espaldador und wie eine Verlängerung des gleichen Strands, die Insel von Penjats (Ahorcados), noch weiter weg Los Freos - die gefährlichen Tore die die beiden Baleareninsel vereinigen - und im Hintergrund liegt die Küste Ibizas, so weit und so nah, mit den vorge- lagerten Felsen der El Vedrá, der von La Mola aussieh wie eine Kathedrale aus zerlaufendem Wachs. Die Historie Aber diese Aussicht ruft auch eine verborgene Erinnerung an diese Insel hervor, die nicht aufkommen will, während man über die Wege oder die Strände geht und an den versteinerten Salzseen vorbeikommt. Eine Erinnerung an seine historischen Bezeichnungen. Ophiussa, Columbraria - bis zum Fluch das seine Entvölkerung im 16. und 17. Jahrhundert provo- zierte, ausgelöst durch die Härte des Lebens auf seiner Erde. Eine Zeitlang wurde sie die Insel der Frauen genannt, die Männer gingen in die Fremde um als Händler ihr Brot zu verdienen, das war garnicht lange bevor die ersten Hippies auftauchten. Das Leben auf Formentera war unge- wöhnlich entbehrungsreich. Es fehlte Trinkwasser, medizinische Hilfe, und es gab keine sichere Möglichkeit um mit der Außenwelt zu kommunizieren. Man fing Meeräschen, was an den Steilküsten harte Arbeit bedeutete. Andere Fischer fuhren für einige Zeit weit rauß aufs Meer, der Trocken- fisch bedeutete die einzige Möglichkeit zu überleben. Die Entwicklung Und Formentera veränderte sich wieder: in eine süchtigmachende Droge. Fast alle die einmal da waren, kommen wieder und jedesmal empfinden sie eine Nostalgie. Man könnte die italienischen Familien fragen, die jedes Jahr ihren Urlauben in Maryland oder an anderen Orten verbringen aber immer wieder nach Formentera zurückkommen, als läge es näher bei der Toskana als das spanischen Festland. Die Privilegierten die sich auf der Insel niedergelassen haben, scheinen eine Distanz zu ihr nicht zu ertragen. Der Deutsche Shoppi hat seine Werkstatt für die überall vertsreuten farbenfrohen Skulpturen am Ortseingang von Sant Francesc; er kam in den sechziger Jahren und wollte nur kurz bleiben. Einer der Ersten der kam, der Amerikaner Dicky, sah seine Kameraden nach Katmandu auf- brechen, er blieb in Cala Saona und hat sich seitdem ebenfalls der Herstellung von Skulpturen verschrieben. Genau wie der unbekannte Künstler der seit Jahren nach und nach in den Felsen von Trocadors ein Piratennest baut, aus Strandgut das das Meer anspült. Die Einhei- mischen tollerieren das alles. Maria, Kind einer Reederfamilie, geboren auf der Insel, bestätigt, dass das Leben hier immer schwierig gewesen ist und immer so sein wird. Sie betreibt die einzige Schifffahrtslinie auf Formentera, zwei Schiffe, die die Verbindung zu Ibiza aufrecht erhalten. Sie sind die schnellsten im Vergleich zur Konkurrenz. Die Winter sind rauh und einsam, aber Maria könnte nirgendwo sonst leben. Die Zufluchtsstätte Die Insel hat eine Hauptstadt, obwohl es nicht so scheint. Sant Francesc beschränkt sich auf einige gemütliche Sträßchen, belebt mit kleinen Geschäften und Bars - und völlig unerwartet- einen Platz in dem sich die Kirche von 1726 hochreckt, die Mauern hoch und glatt, aber sie wurde für die Insulaner zur wichtigen Zufluchtsstätte gegen die Invasion der Berber Eine Kilometer entfernt liegt Sant Ferran de Ses Roques, urbanes Zentrum in dem sich die gute alte Zeit erhalten hat: La Fonda Pepe. Dort fanden sie sich in den sechziger Jahren, aus aller Welt ein. Ein schöner Ort um die Nachmittagssonne zu geniessen und auch um zu Abend zu essen im Kreis von Leuten die noch dem Vergangenen hinterherträumen. Den dritten Ort findet man auf der Höhe von La Mola, El Pilar. Es lohnt sich in diese andere Hemisphäre Formentera zu begeben, allein wegen der Ruhe. An einer Hälfte eines der Häuser, kann man geodätische Linie es Meridian von Dunkerque zwischen zwei Zimmern erkennen. Es gibt eine interessante Geschichte über diese Vermessung, die der fran- zösische Physiker Arigo in der Finka von Sa Talaiassa am Anfang des 19. Jahrhunderts durchführte. Er sagte: “Wer wird verstehen, dass ein Fremder den Anspruch erhebt, etwas zu vermessen, was garnicht sehen kann?³ Diese imaginären Linie steht im Gegensatz zur üppigen Realität der enormen Feigenbäume von Formentera, sie können ihre gebrechlichen Äste nur in die Luft recken, dank der Stützen die man ihnen anpasst. Ihre Baumkronen und der großzügige Schatten den sie spenden bilden den oberirdischen Kontrast zu den vielen Höhlen, die den Boden der Insel durchlaufen. La Cova de Sa Má Peluda, in der Höhe des Römerwegs und La Cova Forada am Cap von Barbería sind Orte an denen der Besucher nicht vorbeigehen darf. Genau sowenig wie an dem prähistorischen Kreis von Ca Na Costa, sozusagen ein Stonehenge imTaschenformat, die Einhei- mischen haben ihn schon immer als Uhr bezeichnet. Und El Camí des Monastirs, wo die Augustinermönche lebten. Die Eingangs- pforte liegt unten in Es Caló, ein Ort an dem die Mönche in der friedlichen Abenddämmerung saßen, vieleicht eine Platte mit Fischen vor sich. Alle erwähnten Sehenswürdigkeiten sind nur ein Versuch der Einführung in die Geheimnisse dieser mediteranen Welt, die diese Insel birgt. Es gibt noch vieles zu entdecken und es gibt sauberes Wasser um zu schwimmen: La Bahía del Alga, in Espalmador; es gibt la Cova del Fum, wo Sigurd der Normanne, die Mauren erstickte; die Felsskulpturen, die der Wind geformt hat und das Salz in Punta Gavina; die Tiefen von Sa Cala... Und eines Tages kommt der Besucher zurück. Ganz sicher. MZ/11/02 (1/1-Übersetzung) Informationen von Guillermo Esaín |
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